Das Versprechen von KI ist verlockend: Endlich jemand, der all den langweiligen Kram aus unserem Leben wegautomatisiert. Nie wieder Steuererklärung. Nie wieder Gesetzestexte als Kochrezepte umformulieren. Und nie wieder Sachen googlen, an deren Namen wir uns nicht mehr erinnern.
Die Realität? KI produziert nur die immergleichen 0-8-15-LinkedIn-Texte. Präsentationen, bei denen sich selbst Karl Klammer vor Langeweile in einen Strick verformt. Und Bilder, die nicht nur Medizinerinnen und Schöneitschirurgen vor mittelgroße anatomische Rätsel stellen.
Da muss doch mehr gehen, oder?!
Die beiden Vorträge am Technologietransferzentrum (TTZ) Neustadt bei uns im Rahmen des Nürnberg Digital Festivals 2025 zeigten, wie vielversprechend und unterschiedlich KI-Systeme im Sommer 2025 gedacht werden können: Sophie Henne stellte zum Auftakt autonome KI-Agenten vor, Irma Heithoff in Runde zwei das Konzept des Personal Context Manager (PCM). Zwei Perspektiven auf KI, die gemeinsam zeigen: Es geht heute nicht mehr (nur) um neue Tools, sondern darum, wie wir unsere Beziehungen zur digitalen Arbeit denken und strukturieren.
Teil 1: KI-Agenten – Maschinen mit Handlungsspielraum
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Sophie stellte KI-Agenten als digitale Systeme vor, die nicht mehr nur auf einzelne Eingaben reagieren, sondern eigenständig Ziele verfolgen und dabei mehrere aufneinanderfolgende Handlungsschritte absolvieren. Sie erklären sich gegenseitig Aufgaben, rufen externe Tools auf, planen ihre Vorgehensweise – und lernen dabei iterativ. Die Idee ist ebenso faszinierend wie herausfordernd: Diese Agenten könnten in Zukunft ganze Prozessketten übernehmen, vom Datenabruf bis zur Kundenkommunikation.
Doch Sophie warnte auch vor Überhitzung: Viele dieser Agenten sind heutzutage noch nicht robust genug für kritische Anwendungen. Einmal gestartet sind sie eine kleine Blackbox, was eine Menge Fragen aufwirft – etwa nach Kontrolle und ethischer Verantwortung.


Was sind KI-Agenten?
• KI-Agenten sind digitale Systeme, die eigenständig Ziele verfolgen, statt nur auf Befehle zu reagieren.
• Sie können Aufgaben planen, Entscheidungen treffen und Tools aufrufen, um Ergebnisse zu erzielen.
• Oft arbeiten sie in Schleifen (Loops): Denken → Handeln → Bewerten → Anpassen.
• Sie basieren auf LLM (z. B. GPT), erweitert um Funktionen wie Toolnutzung, Speicher und Autonomie.
• ihre Schwächen: mangelnde Kontexttiefe, Fehleranfälligkeit, schwierige Nachvollziehbarkeit
Wie kannst du sie heute nutzen?
• Lass einfache Agenten wiederkehrende Aufgaben automatisieren – z. B. E-Mails sortieren, Daten extrahieren, Statusberichte erstellen.
• Nutz Multi-Agent-Systeme, um komplexe Abläufe abzubilden – etwa in der Marktanalyse oder bei Content-Pipelines.
• Experimentiere in nicht-kritischen Bereichen: Agenten sind ideal für Prototyping, Ideenfindung oder Exploratives.
• Kombiniere Agenten mit menschlichem Review: Sie liefern Vorarbeit, du entscheidest.
• Setz sie gezielt ein – sie sind Helfer, keine Alleskönner.

Welche Tools helfen dir dabei?
• Auto-GPT / AgentGPT – Open-Source-Frameworks zum Bau von autonomen LLM-Agenten mit Zielsetzung
• LangChain / CrewAI – Entwicklerfreundliche Toolkits, um Agenten zu orchestrieren und mit Werkzeugen zu verbinden
• ChatGPT mit Funktionen (Pro-Version) – Ermöglicht Toolzugriff, Codeausführung und Dateihandling – ein Agenten-Light-Modell
• Flowise / Superagent – Low-Code-Plattformen zum Aufbau KI-gesteuerter Workflows mit Agentenstruktur
Teil 2: Personal Context Manager – den digitalen Alltag sortieren
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Irma stellte anschließend einen Weg vor, wie wir KI-Tools – etwa bei der Texterstellung – den notwendigen Kontext in einem strukturierten Briefing mitgeben können. Auf diesem Weg geben wir dem „Personal Context Manager“ (PCM) eine Art Gedächtnis mit oder ein Ordnungssystem mit, aus dem er sich dann je nach Prompt die relevanten Informationen ziehen und für die jeweilige Aufgabe passende Bezüge herstellen kann.
Besonders in der Wissensarbeit, in Meetings oder bei komplexen Projektverläufen könnte so ein PCM den Unterschied machen zwischen „Ich hab's vergessen“ und „Ich verstehe, warum wir das damals genau so entschieden haben“.


Was ist PCM?
• Der Personal Context Manager ist ein intelligenter Begleiter, der Informationen für dich sortiert, verknüpft und im passenden Moment zurückspielt.
• Anders als KI-Agenten entscheidet er nicht selbst, sondern unterstützt dich bei Entscheidungen durch besseren Überblick.
• Er erkennt Bezüge zwischen Projekten, Themen und Datenpunkten und hilft, Wissenslücken zu schließen.
• Ziel ist nicht Effizienz allein, sondern mentale Entlastung und Orientierung im digitalen Dauerrauschen.
• Erfolgreiche PCM-Systeme brauchen: Vertrauen, klare Relevanzfilter und volle Datensouveränität
Wie kannst du es heute nutzen?
• Verwende PCM-Ansätze, um Meeting-Dokumentation automatisch aufzugreifen und anzureichern (z. B. Protokolle, To-dos, Entscheidungen).
• Nutz kontextbasierte Reminder-Systeme, die dir helfen, zur richtigen Zeit an den richtigen Vorgang erinnert zu werden.
• Lass dir bei Rechercheprojekten helfen, frühere Quellen und Argumente automatisch zu erkennen und bereitzustellen.
• Organisiere persönliche Wissensdatenbanken (Zettelkasten, Second Brain) mit semantischer Suche und KI-Erweiterung.
• Bau dir ein persönliches Dashboard aus verschiedenen Tools, das nicht alles zeigt, sondern nur das Relevante.
Welche Tools helfen dir dabei?
• Mem.ai – Kombiniert Notizen mit KI-gestützter Relevanz- und Kontextvernetzung
• Reflect / Tana / Capacities – Tools für vernetztes Denken, die durch KI intelligente Verbindungen aufbauen
• Notion AI – KI-Erweiterung für das Wissensmanagement-Tool, mit Zusammenfassungen, Aufgabenverfolgung und Kontextsuche
• Rewind AI (macOS) – zeichnet deine digitale Aktivität auf und macht alles durchsuchbar – PCM für den ganzen Screen
• Logseq/Obsidian + GPT Plug-ins – (Open-Source-)Kombination aus lokalem Zettelkasten und KI-Assistenz
Fazit: Zusammenarbeit ist King!
Simple Prompt-Antwort-Aufgaben waren gestern. Oder vielleicht heute morgen. Die Zukunft aber liegt in komplexeren Setups, bei denen eine Vielzahl von Agenten, Speichern, Kontextlieferanten, LLM und andere Tools effektiv zusammenspielen, um auch komplexe Aufgaben zu zerlegen und schrittweise zu lösen. Agenten und PCM sind nicht nur Technologien, sondern eine Einladung, unsere Beziehung zwischen Mensch und Maschine neu zu gestalten.
In einer idealen Welt arbeiten beide Systeme Hand in Hand: Der PCM zerlegt und versteht eine Aufgabe, erst recht, wenn es dazu schon relevante Erfahrungen in der Vergangenheit gibt. Dann ruft er gezielt Agenten zur Hilfe, die nicht einfach nur Ergebnisse liefern, sondern sie wiederum in den Kontext einbetten, den der PCM kontinuierlich weiterführt.
Die Talks zeigten: Wer die Zukunft der Arbeit gestalten will, muss mehr tun, als Tools zu bauen. Er muss Beziehungen gestalten.