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Abwarten oder Anpacken? Was bedeutet KI für Softwareprojekte?

Abwarten oder Anpacken? Torsten Pistor (COO BRANDAD) im Interview über Legacy-Systeme, Kosten-Nutzen-Abwägung und warum KI daran nichts ändert. Teil 4 von 6.
06. August 2026

Die grundsätzlichen Fragen haben sich durch KI nicht verändert – und am Ende sind wir auch nur an einem, wenn auch spannendem, Punkt einer Entwicklung, die immer weiter gehen wird.

Softwareentwicklung erschließt stetig neue Möglichkeiten. Es fühlt sich so an, als hätte die Digitalisierung gerade dazu angesetzt, alle und alles rechts zu überholen – also auch die, die eigentlich schon auf der Überholspur waren. Was ist, wenn meine Systeme schon vorher etwas aus der Zeit gefallen sind, oder zumindest etwas improvisiert und nachgebessert sind? Ist dann genau jetzt ein guter Zeitpunkt, alles neu aufzusetzen? Oder ist es sogar allerhöchste Zeit? Oder sollte man lieber noch warten, schauen wo die Reise hingeht, bevor man mit seinem Projekt zum Experimentierfeld für KI-gestützte Softwareentwicklung wird?

„Bei Software kommt immer der Tag,
wo du sagst, was ich brauche, kann ich
nicht mehr implementieren.“
Torsten Pistor

Für Torsten hat KI in diesem Punkt die Welt nicht verändert. „Bei Legacy-Software hast du immer die uralte Frage, nochmal umbauen oder besser wegschmeißen und neu bauen? Mit jedem technologischen Wandel kommst du immer wieder zu so einem Punkt.“ Früher hat man „lustige Monolithen gebaut“ und dann, bedingt durch die Rasanz der Entwicklung, „angebaut und zugebaut. Irgendwann hast du ein Haus mit mehr Balkonen als Hausfläche, und das Ding ist kurz vor dem Umkippen. Mittlerweile haben sich die Architekturen verändert, und die Frage ist, kannst du eine moderne Architektur auf einen alten Monolithen anwenden?“

Der Monolit

Als Grundlage für die richtige Entscheidung, sieht Torsten allerdings andere Kriterien als die neuen Möglichkeiten von KI. „Es kommt ja viel auf den äußeren Druck an. Hat sich der Markt verändert und brauchst du neue Features, um konkurrenzfähig zu bleiben? Gibt es neue gesetzliche Bestimmungen?“ In der Regel „kommt bei Software immer der Tag, wo du sagst, was ich brauche, kann ich nicht mehr implementieren. Die Anforderungen an Software sind heute ganz anders als zum Beispiel zur Jahrtausendwende – Usability, Look and Feel oder Barrierefreiheit.“
Letztlich ist es dann eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Bei einem Produkt, das „sowieso nur noch drei Jahre läuft, wirst du nicht mehr die großen Umbaumaßnahmen starten.“ Die KI allein ist kein Grund zu sagen, „es wird höchst Zeit, jetzt mal zu bauen – und genauso wenig ist KI ein Grund zu sagen, man bleibt besser noch bei den alten Lösungen“. Die Entwicklung wird immer weitergehen – „auch KI muss über die ganze Laufzeit hinweg überwacht und angepasst werden“, und, wie Torsten findet, „darauf wird im Moment noch viel zu wenig Aufmerksamkeit gerichtet.“

„Lernfähigkeit, Können und Wissen,
verbunden mit Zufällen und Wahrscheinlichkeit
können immer dazu führen, dass sich ein
Mensch – oder eben ein System – auch
mal verrennen kann.“
Torsten Pistor

 

Hinweis: Die Bilder dieses Beitrags wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt.