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Softwareentwicklung mit KI Was geht gut und was geht gar nicht?

Gibst Du Dich mit 80 % zufrieden? Torsten Pistor (COO BRANDAD) über KI-Grenzen in der Softwareentwicklung, Anforderungsdialoge und Prototyping. Teil 3/6.
über KI-Grenzen in der Softwareentwicklung, Anforderungsdialoge und Prototyping
06. August 2026
Gibst Du Dich mit 80 % zufrieden? Torsten Pistor (COO BRANDAD) über KI-Grenzen in der Softwareentwicklung, AnforderungsdialoWeshalb man sich die Frage stellen muss, ob man mit 80 % zufrieden ist. Warum Softwareentwicklung schon anfängt, bevor man anfängt die Software zu entwickeln. Und in großen Code-Welten kann man sich immer verirren, als Mensch und als KI.

Durch die Sprachmodelle fühlt sich der Entwicklungsschritt noch viel größer an, als er ohnehin schon ist. Doch auch vor der großen KI-Welle gab es bereits viele Standardtools, die wahnsinnig viel können. „In der Regel“, so Torsten, „treffen sie aber damals wie heute den Need nicht immer ganz genau. Die Frage ist dann, gibt man sich mit 80 % zufrieden? Stört es mich, wenn die Seite langsamer ist oder speicherplatz-intensiver?“ Und spätestens, wenn man nicht nur eine Webseite haben will, sondern zum Beispiel ein interaktives Portal, „landest du irgendwann bei individualisierter Softwareentwicklung. Es ist eben nicht alles klicky-bunty. Einen gewissen Prozentsatz kann man mit Standardtools und KI machen, aber vieles auch nicht.“

„Erst wenn du ein Verständnis dafür hast,
was wirklich gebraucht wird, dann bist du
in der Lage, es in Code zu gießen.“
Torsten Pistor

Spürbar wird das für Kunden der BRANDAD lange bevor die erste Zeile Code geschrieben wird. „Wenn du unseren Top-Entwicklern deine Anforderungsliste gibst“, erzählt Torsten, „wirst du erstmal gelöchert. Und das ist gut so.“ Der Prozess mit einem richtig guten Softwareentwickler sei an vielen Stellen ein Dialogprozess. „Da wird nachgefragt, hinterfragt. Moment mal, erzähl mir mehr darüber, ergibt es nicht mehr Sinn, das zu tun oder jenes. Je unschärfer die Anforderungen sind, umso ausufernder sind die Diskussionen – und erst wenn du ein Verständnis dafür hast, was wirklich gebraucht wird, dann bist du in der Lage, es in Code zu gießen. Diesen Prozess mit KI praktisch zu unterstützen, zu generieren, ist schwierig.“

„KI ist hauptsächlich dann gut,
wenn sie mit Senior-Entwicklern
zusammenarbeitet.“
Torsten Pistor

Das bedeutet aber nicht, dass Torsten der KI eine kreative Weiterentwicklung von Software auch perspektivisch nicht zutraut. „Wahrscheinlich geht sie gerade in diese letzten 20 % auch noch rein“. Er sieht es aber mehr als gelassen. „Wenn wir mit einer KI in den Modus kommen, dass sie selbst Vorschläge macht, wäre das doch super. Dann habe ich einen wertvollen digitalen Kollegen am Start. Aber genauso wenig, wie ich einem einzelnen Entwickler sagen würde, du darfst einchecken, was du willst, würde ich das bei einer KI machen. Ein guter Entwickler kommt auch um die Ecke und sagt, hey, ich habe eine Idee, wollen wir nicht dieses und jenes – Refactoring ist ja immer ein Thema.“ Aber die BRANDAD hat es mit riesigen Codewelten zu tun, zum Beispiel bei der DATEV – „da sind verschiedenste Applikationen drauf, die zusammen auf eine Plattform, auf eine Infrastruktur zugreifen. Es passiert hier den Besten, „dass alles Sinn ergibt, und sie setzten es um und es fliegt ihnen auseinander, weil sie irgendwas im Kontext nicht beachtet haben. Und auch eine KI ist limitiert in dem Kontext, den sie erfassen kann, genauso wie jeder gute Softwareentwickler.“
Vorschläge, die ein guter Softwareentwickler macht oder eine KI machen könnte, findet Torsten trotzdem immer wertvoll. Aber „wenn ich heute einen Top-Entwickler habe, der mit super Ideen um die Ecke kommt, heißt das noch lange nicht, dass ich jede dieser Ideen sofort umsetzen müsste. Das wäre ein Killer.“

„Alles, was ich bislang an
UX-Versuchen von der KI
gesehen habe war so mittel.“
Torsten Pistor

Ein eindeutiger Faktor ist KI dagegen, wenn es darum geht, Prozesse zu beschleunigen. “Manches geht heute in drei Stunden, wo man früher eine Woche gebraucht hat. KI ist zum Beispiel viel schneller in der Lage, eine bestehende Software zu analysieren. Oder, wenn man eine Software von Grund auf hochzieht, kann sie dir das Aufbauen eines neuen Produktes definitiv beschleunigen.“ Das fängt für Torsten schon beim Prototyping an. Wenn man früher etwas Vertestbares gebraucht hat, um ein erstes schnelle Feedback zu bekommen, musste man eine Entwicklerin oder einen Entwickler abziehen. „Der hat dann quick and dirty etwas gebaut, was man dem Anwender zum Ausprobieren zeigen konnte. Heute brauche ich dafür keine Entwicklerin und keinen Entwickler mehr – das lasse ich vibecoden und ich habe dann sogar schon etwas, das Daten handeln kann und einen viel besseren Eindruck vermittelt. Das erspart dir aber nicht das Thema UX“ – denn alles, was Torsten bislang an UX- bzw. UI-Versuchen von KI gesehen hat „war so mittel, aber für die Geschwindigkeit einer Softwareentwicklung hilft sie auf jeden Fall.“ge und Prototyping. Teil 3/6.