Zum Hauptinhalt springen
 

Agilität - Nur ein Buzzword oder doch viel mehr?

Seit 2010 setzen wir auf agile Prozesse. Dahinter verbergen sich nicht nur Methoden, sondern ein Mindset. Wie sich dieses auf Entscheidungen und die Teams auswirkt, erfährst Du hier!
Buzzword Agilität
09. April 2025

Agilität erklären? Braucht eigentlich niemand mehr. Jeder nickt, wenn das Wort fällt. Steht in jeder Stellenanzeige, gehört zur Selbstbeschreibung fast jedes modernen Unternehmens, wird auf keiner Konferenz mehr hinterfragt.

Und genau das ist das Problem.

Denn so selbstverständlich der Begriff geworden ist, so unterschiedlich wird er verstanden – und so häufig wird er verwechselt mit dem, was er ausdrücklich nicht ist: ein Methodenkoffer, ein Framework, ein Prozessmodell. Scrum einführen und agil sein sind zwei verschiedene Dinge. Und dieser Unterschied entscheidet darüber, ob eine agile Transformation gelingt oder als teures Missverständnis endet.

Bei BRANDAD setzen wir agile Vorgehensweisen bereits seit 2010 ein – zunächst in der Softwareentwicklung, seit 2014 als gelebte Arbeitskultur im gesamten Unternehmen. Was das in der Praxis bedeutet, was Agilität wirklich ausmacht und warum sie weit mehr ist als die Einführung eines Frameworks, darüber haben wir mit Katharina gesprochen – Agilitäts-Expertin bei BRANDAD und Anbieterin der Schulungsreihe Inside Agility.

Warum Agilität heute relevanter ist denn je

Die Antwort liegt auf der Hand, sobald man sich die Arbeitswelt der letzten Jahre anschaut: Die Digitalisierung hat das Tempo dramatisch erhöht. Märkte verändern sich schneller. Technologien lösen einander in kürzeren Zyklen ab. Was gestern noch eine valide Strategie war, kann morgen schon überholt sein.

In dieser Welt sind starre Hierarchien und langwierige Entscheidungsprozesse keine Stärke mehr – sie sind ein Wettbewerbsnachteil. Katharina bringt es auf den Punkt: „Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung und die rasante Entwicklung neuer Innovationen immer weniger vorhersehbar. Das Tempo nimmt zu – und deshalb sind Strukturen und Organisationsformen gefragt, die flexibel genug sind, um dabei mithalten zu können."

Agilität verspricht genau das. Aber das Versprechen einzulösen ist schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint.

Mehr als Scrum: Agilität als Mindset

Hier liegt das häufigste Missverständnis. Viele Unternehmen führen agile Methoden ein – Scrum, Kanban, OKRs – und nennen sich danach agil. Was dabei oft fehlt: das Fundament.

„Agilität oder agiles Arbeiten ist mehr als nur ein Buzzword und natürlich auch viel mehr als die Einführung von Scrum oder anderen agilen Methoden", erklärt Katharina. „Hinter agilem Arbeiten verbirgt sich ein ganzes Mindset, eine Haltung. Die Einführung von agilem Arbeiten geht deshalb immer mit einem echten Change einher."

Das bedeutet konkret: Nicht das Tool verändert die Organisation – die Haltung tut es. Wer Scrum einführt, aber Entscheidungen weiterhin von oben nach unten durchdrückt, hat die Form ohne den Inhalt. Das Ergebnis ist meistens das Schlimmste aus beiden Welten: die Komplexität agiler Methoden ohne ihre Vorteile.

Was sich wirklich verändert: Selbstorganisation statt Hierarchie

In einer echten agilen Organisation lösen cross-funktionale, selbstorganisierte Teams die klassischen Hierarchiestrukturen ab. Jedes Team bringt alle Kompetenzen mit, die es für seine Aufgabe braucht – Entwicklung, Design, Kommunikation, fachliches Know-how. Und jedes Team trifft eigenverantwortlich Entscheidungen.

„Entscheidungen werden nicht entlang von Hierarchieebenen von oben nach unten durchgedrückt, sondern entstehen im jeweiligen Team", so Katharina. „Einzelne Teams können viel wendiger und flexibler auf Veränderungen ihres jeweiligen Marktes eingehen als ein gesamtes, behäbiges Unternehmen."

Das klingt für manche nach Kontrollverlust. In der Praxis ist es das Gegenteil: Teams, die eigenverantwortlich handeln, reagieren schneller, übernehmen mehr Verantwortung und entwickeln ein tieferes Verständnis für ihre Kunden und Märkte. Die Führung verlagert sich – von Kontrolle zu Orientierung, von Anweisung zu Rahmensetzung.

Was Agilität nicht ist

So viel zur Theorie. In der Praxis scheitern agile Transformationen häufig – und meistens aus denselben Gründen:

Agilität ist kein Selbstzweck. Wer agil wird, „weil es alle machen", wird den Aufwand des Changes nicht rechtfertigen können. Agilität ist ein Mittel, kein Ziel.

Agilität ist kein Sprint ohne Ende. Selbstorganisation bedeutet nicht, dass Teams ohne Orientierung arbeiten. Klare Ziele, transparente Prioritäten und regelmäßiges Feedback sind die Voraussetzung dafür, dass Selbstorganisation funktioniert.

Agilität ist kein Management-Projekt. Eine agile Transformation, die vom Management beschlossen und von oben implementiert wird, widerspricht sich selbst. Sie gelingt nur, wenn sie von innen wächst – mit echtem Commitment auf allen Ebenen.

Wie wir bei BRANDAD Agilität leben

Seit 2010 arbeiten wir in der Softwareentwicklung agil. Seit 2014 ist Agilität unsere Arbeitskultur – nicht als Methode, sondern als Haltung. Das bedeutet bei uns unter anderem: Mitarbeitende wählen ihre eigenen Jobbezeichnungen. Teams organisieren sich selbst. Entscheidungen entstehen dort, wo die Kompetenz sitzt – nicht dort, wo der Titel hängt.

Ob das immer reibungslos läuft? Nein. Agilität ist kein Zustand, den man erreicht – es ist ein kontinuierlicher Prozess. Aber es ist ein Prozess, der sich lohnt: in schnelleren Entscheidungen, motivierteren Teams und einer Organisation, die Veränderungen nicht fürchtet, sondern gestaltet.

Wer tiefer einsteigen möchte – ob als Einzelperson oder als Organisation – findet bei Katharina mit der Schulungsreihe Inside Agility einen strukturierten Einstieg in agiles Denken und Arbeiten.