Zum Hauptinhalt springen
 

Warum Marketing heute Menschen und Geschichten braucht

Wer im Alten Ägypten etwas verkaufen wollte, stellte sich gut sichtbar in die Mitte eines Platzes rief sein Angebot in die Menge. „Ein Silberstück für eine Ziege? Muss ich haben!“ Marketing und Werbung waren Jahrhunderte lang recht einfach. Auch heute noch gibt es Marktschreier, wenn auch nur als besondere Attraktion auf lokalen Märkten – größtenteils wurden sie über die Jahrhunderte erst durch Plakate und Zeitungsanzeigen, dann durch Litfaßsäulen und ultimativ durch moderne Medien und das Internet ersetzt. Um heute eine Ziege zu verkaufen, brauche ich also einen Instagram-Account? Naja. Jein.
30. November 2024

Von Boringyelling zu Personal Branding: Warum Menschen die besten Markenbotschafter sind

Von Boringyelling zu Personal Branding: Warum Menschen die besten Markenbotschafter sind

Irgendwo zwischen dem zwölften LinkedIn-Post des Tages, dem fünften Newsletter und dem dritten Reels-Video, das du heute schon weggeklickt hast, passiert etwas Interessantes: Nichts. Kein Eindruck. Kein Erinnern. Kein Klick.

Willkommen im digitalen Rauschen.

Präsent zu sein in digitalen Kanälen ist längst keine Differenzierung mehr – es ist die Eintrittskarte. Was zählt, ist was danach kommt: Abholen. Aufklären. Berühren. Eine Geschichte erzählen, die hängenbleibt. Kurz: Storytelling. Aber nicht das aufgesetzte, klischeebeladene „Es war einmal"-Storytelling. Sondern das echte.

Was eine gute Geschichte wirklich braucht

Eine gute Geschichte ist einzigartig, unvorhersehbar, menschlich und nachvollziehbar. Sie überrascht – aber nie so sehr, dass man den Faden verliert. Sie bewegt – aber nie so sehr, dass es peinlich wird.

Und sie braucht immer eines: Protagonistinnen und Protagonisten.

Manchmal ist das Produkt der Held – eine absolut legitime Strategie, die funktioniert. Aber die stärksten Geschichten, die am längsten im Kopf bleiben, handeln von Menschen. Nicht von Funktionen. Nicht von Features. Von Menschen und dem, wofür sie brennen.

Die Product Ownerin, die aus ihrer Leidenschaft zur Natur ein Feature macht, das den Energieverbrauch des Produkts senkt. Der Backend-Developer, der für Test-driven Development brennt und damit die Code-Qualität Schritt für Schritt verbessert. Die Auszubildende, die mit frischem Blick unverblümt feststellt, dass die Bedienoberfläche zu viel Fachwissen voraussetzt.

Das sind keine PR-Konstrukte. Das sind echte Geschichten – und genau deshalb wirken sie.

„Sabine ist Produktentwicklerin und sie hat eine geheime Superkraft: Sie ist ordentlicher als Marie Kondo – und sorgt in ihrem Team mit großem Spaß für Übersicht und Durchblick." Boom. Geschichte gefunden. Aufhänger funktioniert. Wer jetzt weiterliest, wird das Produkt dahinter mit anderen Augen sehen – als clean, strukturiert, aufgeräumt. Ziel erreicht.

Personal Branding: Nicht nur für Influencer

Je öfter wir Menschen mit Themen und Geschichten verknüpfen, desto deutlicher tritt ihre Personal Brand zutage. Ihre Personenmarke. Das klingt nach Influencer-Dasein und Lifestyle-Content – ist es aber nicht. Personal Branding funktioniert auch im Kleinen. Manchmal sogar, ohne dass man es bewusst betreibt.

Jeff Bezos hat es treffend formuliert: „Deine Personal Brand ist, was andere über dich sagen, wenn du nicht anwesend bist."

Hast du ein Thema, für das du brennst? In das du mehr Zeit versenkt hast als irgendjemand um dich herum? Dann gibt es einen triftigen Grund, damit sichtbar zu werden: Nur so bietest du Gleichgesinnten die Chance, sich mit dir zu vernetzen. Nur so wirst du ansprechbar zu genau den Themen, zu denen du angesprochen werden willst.

Genau das ist die Idee hinter der „Working out Loud"-Bewegung: offen über Projekte und Leidenschaften reden, um Austausch zu provozieren – und dadurch Relevanz aufzubauen. Nicht fürs Ego. Sondern für echte Verbindungen.

Was Unternehmen dabei falsch machen

Viele Unternehmen sind nervös, wenn es um die Personal Brands ihrer Mitarbeitenden geht. Die Befürchtung: Wer sichtbar wird, landet im Fadenkreuz von Headhuntern.

Dazu gibt es einen fiktiven Dialog, der seit Jahren durchs Internet geistert:

Fragt der CFO seinen CEO: „Was passiert, wenn wir in Mitarbeiter investieren und die dann das Unternehmen verlassen?" Gegenfrage vom CEO: „Was passiert, wenn wir es nicht tun – und sie bleiben?"

Eine scharfe Positionierung steigert den Marktwert einer Person – keine Frage. Aber wenn die größte Sorge in einem Unternehmen ist, dass Mitarbeitende davonlaufen, sobald man sie wertschätzt, dann schlummern da ganz andere Probleme. Mitarbeitende absichtlich kleinzuhalten, damit sie nirgends auf dem Radar auftauchen, ist keine Strategie. Es ist Potenzialverschwendung.

Personal Branding als Unternehmenskultur

Bei BRANDAD Solutions denken wir das anders. Mit unserem internen Personal-Branding-Programm geben wir jeder Kollegin und jedem Kollegen die Möglichkeit, ein eigenes Branding zu entwickeln und nach außen sichtbar zu werden.

Nenn es Markenbotschafter, nenn es Corporate Influencer, nenn es Personenmarke – uns kommt es darauf an, dass Menschen ihren Leidenschaften nachgehen und andere damit inspirieren. Wir haben UX-Expertinnen, Podcast-Evangelisten, HR-Begeisterte, Coding-Geeks, Feedback-Profis. Eine bunte Mischung, die uns als Unternehmen einzigartig macht.

Und – das ist uns wichtig – daran sind keine Bedingungen geknüpft. Kein „du postest dreimal die Woche über uns". Kein Tausch von Sichtbarkeit gegen Unternehmensbotschaften. Wir wollen Menschen und ihre Expertise sichtbar machen. Nicht ihre Kanäle für Reichweite instrumentalisieren.

Denn am Ende ist das die ehrlichste Form von Storytelling: Menschen, die für das brennen, was sie tun – und darüber reden. Keine Blaupause. Keine Brechstange. Keine Klischees.

Nur echte Geschichten. Und die bleiben.